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KETTENPFLEGE
Wir ihr ja alle wisst gehören Antriebsketten zu den am stärksten
beanspruchten Bauteilen von Motorrädern. Die durchschnittliche
Lebensdauer von Motorradketten liegt bei ca. 20 000 Kilometern.
Bei entsprechender Pflege lässt sich diese Halbwertszeit dieses
Bauteils jedoch beträchtlich verlängern.

Aufbau der sehr gebräuchlichen O-Ring-Kette
Die Palette für Ersatzketten reicht von Standardketten über
O-Ring-, X-Ring-, XW-Ring- bis hin zu Quadringketten, wobei die
Preise sich zwischen ca. 600 Schilling für die
Standardausführung bis zu über 4500 Schilling für die teuersten
Racing-Ketten bewegen kann. Nur noch ganz wenige Motorräder -
fast ausnahmslos Oldtimer - sind mit Standardketten ausgerüstet.
Alle anderen besitzen abgedichtete Ketten mit Dauerfettfüllung,
sogenannte O-Ring-Ketten. Bei diesen sind die Reibflächen
zwischen Bolzen und Hülsen mit Schmierstoff versehen und mit
O-Ringen nach außen abgedichtet. Diese Art von Ketten hält
beträchtlich länger als ihre Vorgänger die Standardketten -
geschmiert werden sollen sie dennoch. Vor allem die
Berührflächen zwischen Kettenrad/Ritzel und den einzelnen
Kettengliedern verlangen nach von außen aufgetragener
Schmierung.
SPANNEN:
Ein Kettenriss gehört natürlich zu den unangenehmsten Defekten
beim Motorradfahren. Prinzipell gibt es ganz unterschiedliche
Möglichkeiten für das Versagen einer Kette, von denen sich
manche nicht verhindern lassen. Gegen einen Kettenriss, aufgrund
einer fehlerhaften Kettennietung ist der Biker ebenso wenig
gefeit wie gegen einen zwischen Kette und Ritzel geschleuderten
Kieselstein. Die Fehlerquellen Kettenspannung, -verschleiß und
-schmierung kann er hingegen vermeiden. Ungefettete Ketten
überhitzen leicht und verschleißen schneller, die Gefahr eines
Risses steigt fast im gleichen Maß wie durch falsche
Kettenspannung. Dabei spielt es kaum eine Rolle, ob die Kette zu
locker oder zu straff eingestellt ist. Zu lockere Ketten (meist
alte, übermäßig verschließende Exemplare) können von den Ritzeln
rutschen, sich verklemmen und dadurch reißen.
Eine zu straff gespannte Ketten halten die extrem hohen
Belastungen vor allem bei Einfederbewegungen des Fahrzeugs nicht
dauerhaft aus und bersten. Außerdem leiden die
Getriebeausgangslager sehr stark unter unter zu straffen Ketten,
was im Extremfall zu Undichtigkeiten und Getriebeschäden führt.
Eine Kette ist spätestens dann reif für den Müll, wenn sie sich
bis zu den Zahnspitzen des Kettenblatt abheben läßt oder sich
sogenannte Haifischzähne gebildet haben. Kette, Ritzel und
Kettenrad übrigens immer gemeinsam tauschen, sonst verschleißen
die neuen Teile viel schneller.
Wie die Kettenspannung richtig eingestellt wird und wie viel
Spiel vorhanden sein muss steht in jedem Fahrzeughandbuch. Eine
Faustregel kann jedoch immer angewandt werden:
In voll eingefedertem Zustand muss noch minimales Spiel
vorhanden sein, dann kann nichts schiefgehen.

Kettenspiel richtet sich nach Fahrzeugtyp
Nach vorgenommener Justage der Kettenspannung gehören alle
Schrauben festgezogen und die Kettenspannung geprüft - und zwar
an mehreren Stellen (Rad drehen), da der Kettendurchhang
gelegentlich variieren kann. Das liegt entweder an
unterschiedlich verschlissenen Kettenabschnitten oder an nicht
völlig zentrisch gebohrten Kettenblättern. Wichtig ist, dass
sich der Kettendurchhang am Minimalspiel orientiert.
REINIGEN:
Sind wir mal ganz ehrlich, manchmal sind wir der Ansicht, es
genügt, die Ketten zu schmieren und die Reinigung kommt zu kurz.
Während dabei die Schmutzpolster auf den Außenlaschen kaum
Auswirkungen auf die Lebensdauer und Funktion haben, schmiergeln
die zwischen den Laschen sitzenden Schmutz- und Sandpartikel die
O-Ringe flach, und die Dauerfettfüllungen gehen flöten. Außerdem
erhöht auf den Rollen und zwischen den Außen- und Innenlaschen
sitzender Schmutz die Reibung. Stark verbackene Kettenglieder
erkennt auch der Laie daran, dass die Kette schwergängig läuft
und Knicke bildet, weil sich die Glieder nicht mehr richtig
bewegen.
Dann ist es meist schon zu spät für eine sinnvolle
Kettenreinigung. Etwa alle 2000 Kilometer sollten spezielle
Reinigungsmittel zum Einsatz kommen - scharfe Reinigungsmittel
oder gar Benzin können die O-Ringe zerstören.
Die Anwendung von Kettenreinigern ist sehr einfach: Mittel
auftragen, eventuell mit Pinsel oder Bürste nachbearbeiten,
einwirken lassen und anschließend abwischen oder gegebenenfalls
abspritzen. Erst wenn die Kette wieder völlig trocken ist, kommt
Kettenfett zum Einsatz.
Vorsicht mit Dampfstrahlern! Mit diesen Geräten sollte nur der
gröbste Schmutz entfernt werden, und dies auch nur bei
verhältnismäßig geringer Wassertemperatur von höchstens 50 Grad.
Die meisten Dampfstrahler an den Tankstellen sind aber auf 70
Grad eingestellt; das hat dann den Effekt, dass man zwar den
Schmutz, aber auch das Fett (welches sich bei dieser Temperatur
verflüssigt) entfernt.
SCHMIEREN:
Alle Motorradketten benötigen von Zeit zu Zeit eine Portion
Schmiermittel, um nicht frühzeitig zu verschleißen. Sicherlich
gehört das Aufsprühen von Kettenspray zu den am häufigsten
angewendeten Pflegemaßnahmen, was nicht zuletzt am einfachen
Procedere und dem geringen Zeitaufwand liegt. Das Einsprühen
gestaltet sich einfach - die Einwirkzeit beträgt je nach Produkt
bis zu 15 Minuten.
Grundsätzlich gilt: lieber häufig und sparsam auftragen als
selten und dick. Zu viel Kettenfett fliegt ohnehin in kürzester
Zeit davon und verklebt Ketten- und Ritzelkasten. Felgen und
Reifen. Nicht zu seitlich gegen die Kettenglieder sprühen, die
Kettenglieder bei langsam drehender Kette innen so einsprühen,
dass der Strahl nicht auf den Hinterreifen treffen kann. Von
außen genügt der Kette ein dünner Hauch Schmiermittel.
Zumindest jede Woche sollte die Kette mit einem dünnflüssigen
Pflegeöl, das in die kleinsten Ritzen hineinkriecht, besprüht
werden. Je nach Belastung und Verschmutzungsgrad sollte auch
eine Großreinigung vorgenommen werden. Dabei wird die Kette mit
Wasser und einem Lösungsmittel gesäubert und dann mit einem
Hochleistungsfett eingelassen (nicht nur außen, sondern vor
allem im Mittenteil der Kettenglieder). Dann wird das Rad zwei-,
dreimal durchgedreht und einige Zeit zugewartet.
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